kk-gruppe berlin

Vortrag und Diskussion
Referent: Peter Decker

Was von Marx zu lernen wäre

Alles Nötige über Arbeit und Reichtum im Kapitalismus.

An deutschen Universitäten gehört es sich, dass man sich gelegentlich an den Theoretiker des 19. Jahrhunderts erinnert, dessen Gedanken einmal die Welt bewegt haben, der heute aber ein „toter Hund“ ist. Auch er gehört irgendwie zum Bestand des geistesgeschichtlichen Erbes; jedenfalls wird er in es eingemeindet – und zwar als ein Großer: ein großer Philosoph zum Beispiel, der es nach Hegel noch einmal geschafft hat, dialektisch zu denken; ein großer Soziologe, der ein System gebastelt hat, in dem die Gesellschaft von der materiellen Basis bis zum Überbau der Religionen und Ideen auf ein Prinzip gebracht ist; ein großer Prophet, der die Globalisierung früh vorausgesehen, ein großer Utopist, der sich eine schöne bessere Welt ausgedacht hat – und so fort.
Dass der Alte selbst, wenn er gefragt würde, nichts von dem genannten Großen vollbracht haben wollte, ja sich dieses Lob verbitten würde, kann seine geistesgeschichtlichen Freunde nicht bremsen. Sie haben ihm sogar den Umstand, dass er Kommunist gewesen ist, verziehen, rechnen ihm diesen Fehltritt jedenfalls nicht mehr als gravierenden Einwand vor. Er selbst sah seine Leistung einzig und allein in dem, was der Untertitel seines theoretischen Hauptwerkes ankündigt: in der „Kritik der politischen Ökonomie“ des Kapitalismus.
Marx war, wenn irgendetwas, Ökonom – ausgerechnet die Wirtschafts-wissenschaften allerdings haben keine gute Erinnerung an seine theoretischen Leistungen, ja eigentlich überhaupt keine. Kein Wunder. Schließlich hat er nicht nur die menschenfeindliche und absurde Rationalität des Wirtschaftssystems aufs Korn genommen, das sie so vernünftig finden, er hat auch ihre verständnisvollen Theorien darüber widerlegt.
An dem Kapitalismus, den Marx in der Phase seines Entstehens analysierte und kritisierte, hat sich seit seinen Tagen dies und das, aber nichts Wesentliches geändert:
Immer noch ist die Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck, für den gearbeitet wird – und das ist keineswegs ein geschickter Umweg zur Befriedigung der Bedürfnisse; noch immer sind die arbeitenden Menschen Kostenfaktor, also die negative Größe des Betriebs-zwecks; noch immer findet die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, also der größten Quelle des materiellen Reichtums ausschließlich statt, um Löhne zu sparen und Arbeitskräfte zu entlassen – also um den Arbeiter ärmer zu machen.
Wegen dieser Aktualität und nur wegen ihr verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit auch heute noch zu erklären.
Das will der Vortrag anhand von Originalzitaten vorführen. Anzukündigen sind also einführende Argumente zur Kritik des Kapitalismus, wie sie dem Studium von „Das Kapital“ zu entnehmen sind, sowie ein paar ungewohnte Gedanken über Arbeit und Bedürfnis, Geld und Nutzen, Kapital und Arbeit, materiellen und kapitalistischen Reichtum sowie über den Gegensatz zwischen diesen Paaren, die unsere heutige Welt beinahe für Synonyme hält.