’Linksruck’ in Lateinamerika

Chávez in Venezuela, Morales in Bolivien, Correa in Ecuador und derehemalige Sandinistenchef Ortega in Nicaragua! In Lateinamerika kommenfalsche Führer an die Macht, so jedenfalls die Meinung der hiesigenBegutachter und der offiziellen Politik. Nach übereinstimmenderAuffassung ziehen diese Machthaber aus der zugegeben desolaten Lageihrer Länder völlig falsche Schlüsse, sie verschreiben sichökonomischen und politischen Zielen, die den gebotenen Sachverstandvermissen lassen, leisten sich Rückfälle in vergangene nationalistischeWirtschaftsprogramme, die längst der Untauglichkeit überführt sind,machen den Massen falsche ‘populistische’ Versprechungen undverschleudern dafür die Mittel ihrer Nationen. Eine hiesigeÖffentlichkeit, die für einen ‘gesunden Patriotismus’ viel übrig hat,entdeckt in Lateinamerika gefährlichen ‘Links’-‘Nationalismus’. Sie istunzufrieden mit der Kritik, die die neuen Führer am Zustand ihrerLänder anmelden, und mit den praktischen Folgerungen, die sie darausziehen, erst recht. Das Programm, das in Venezuela mit Chávez seiteinigen Jahren an der Macht ist und das anderswo mehr oder wenigerentschiedene Nachahmer findet, verstößt gründlich gegen alles, was dieinternationalen Sittenwächter des heutigen Weltmarkts an Ansprüchengegenüber diesen Ländern für selbstverständlich halten.