kk-gruppe berlin

Mehringhof, Blauer Salon (Gneisenaustr. 2a)
Arbeitskreis

Diskussion – Teil 1: Wer verdient warum wie viel?

Warum verdient ein Radiologe, was er verdient? Er selbst mag überzeugt sein, dass es am Handwerk liegt, das er so gut beherrscht. Die Wahrheit ist das nicht. Es liegt an der Organisation des Gesundheitswesens, das ihm über die Kassen Honorare für seine Behandlungen zukommen lässt. – Warum hinterzieht ein Fußballstar seine Steuern? Weil auch er meint, dass er mit seinen Anstrengungen im Beruf das viele Geld wert ist, das er verdient. Auch er liegt falsch. Dass ein paar Ausnahmespieler Spitzeneinkommen erzielen, kommt daher, dass sich der Staat gerne von Spitzensportlern repräsentieren lässt, eine ganze Industrie einen sportlichen Wettbewerb als ein monströses Geschäft aufzieht, und das Volk für Sternstunden seines Lokalpatriotismus massenhaft Eintrittspreise und Fanartikel bezahlt. – Auch beim Straßenbahnfahrer ist nicht entscheidend, wie viel Geduld und Aufmerksamkeit er bei seinen Fahrten aufbringt und dass renitente Fahrgäste ihm den Tag versüßen. Was er verdient, wird zwischen der städtischen Verkehrsgesellschaft und seiner Gewerkschaft ausgehandelt. Und der besser bezahlte Pilot führt ihm vor, dass ein höheres Einkommen an der Stärke der Gewerkschaft hängt und die wiederum damit steht und fällt, wie auswechselbar das Personal im Cockpit ist.

Wer das für Einzelfälle hält, die nur belegen, dass eigentlich ein Entsprechungsverhältnis zwischen den beruflichen Tätigkeiten und den mit ihnen erzielten Einkommen besteht oder wenigstens bestehen müsste, liegt erst recht falsch. In jedem Beruf muss zwar für das liebe Geld etwas getan werden. Die verschiedenen Verrichtungen der Berufstätigen sind allerdings nie der Grund für ihre Einkommen.

Auf unserer Diskussionsveranstaltung wollen wir zum einen unsere Kritik an der Vorstellung ausführen, dass das Einkommen doch – irgendwie – der Tätigkeit entsprechen sollte, die jemand in seinem Beruf ausübt; und zum anderen ein paar Hinweise geben, warum es so ist, dass sich die einen mit ihrem Beruf zugleich lebenslange Geldsorgen einhandeln – wogegen die anderen vor allem mit der Geldsorge beschäftigt sind, wie sie ihr Geldvermögen am besten anlegen.

Auch für Fragen oder Einwände zum Vortrag soll dort weiter Gelegenheit sein.