kk-gruppe berlin

Mehringhof, Blauer Salon (Gneisenaustr. 2a)
Arbeitskreis

Diskussion: Gesundheit: Ein Gut und sein Preis – Teil 2

Wer fordert, „Gesundheit darf keine Ware sein“, der weiß um den riesigen Bedarf nach Gesundheitsversorgung – und geht selbstverständlich davon aus, dass ohne sozialstaatliche Organisierung das Leben in der Konkurrenzgesellschaft nicht dauerhaft auszuhalten ist, da die große Mehrheit der sogenannten Wohlstandsbürger sich die Hilfe aus eigenen Mitteln schlicht nicht leisten kann.

Dabei ist es für die Kritiker des Gesundheitssystems kein Geheimnis, dass es sich bei diesem hilfsbedürftigen Kollektiv um die Lohnbezieher handelt, die ihre Leistungskraft – also ihre Gesundheit – gegen Geld verkaufen müssen. Und schon gleich ist es kein Geheimnis, dass der Staat angesichts der notorischen Geldklemme seiner „abhängig Beschäftigten“ ein System gesundheitlicher Versorgung organisiert – und die Bezahlung dieser Versorgung sich just von denen holt, bei denen er um den chronischen Mangel an Geld und Gesundheit weiß. Diese staatliche Leistung belobigen die Kritiker – einerseits – als ein der Idee und dem Prinzip nach „solidarisches Gesundheitssystem“. Ihre Kritik gilt andererseits dem „kalten wirtschaftlichen Kalkül“ moderner Gesundheitspolitik, das das Patientenwohl Profitinteressen unterordne. Gegen die entsprechenden Missstände und Defizite richtet sich ihr Protest.

Davon halten wir nichts und darüber wollen wir streiten:

  • Was die immerzu währenden Missstände und Defizite betrifft – womöglich zeugen die gar nicht von „Versäumnissen“, sondern haben ebenso wie der immer währende Reformbedarf eine systematische Notwendigkeit: Der Sozialstaat organisiert die gesundheitliche Versorgung zu dem Zweck, dass zumindest der Durchschnitt der arbeitenden Mehrheit seiner gesundheitsverschleißenden Erwerbsquelle halbwegs dauerhaft nachgehen kann. Die Bezahlung organisiert der Staat wesentlich über die Zwangskollektivierung von Lohneinkommen, bindet sie also an die „Kassenlage“. Und wie es sich in seiner freien Marktwirtschaft gehört, macht er die Gesundheit zu einem stattlichen Geschäft am Standort Deutschland und somit „zur Ware“ – was deswegen die Finanzierungsquelle systematisch überstrapaziert.
  • Was soll das Lob für das Solidarsystem, wenn zugleich die Schäbigkeit der gelobten Sache offenkundig ist: dass nämlich ohne sozialstaatlich organisierte Gesundheitsversorgung das Leben in der bürgerlichen Konkurrenzgesellschaft für die Lohnbezieher überhaupt nicht dauerhaft durchzustehen ist?
  • Jedenfalls halten wir für den wirklichen Skandal nicht die „Missstände und Defizite“ des Gesundheitssystems, sondern dessen kolossale Dienstleistung für das Gelingen einer Konkurrenzgesellschaft, die vom gesundheitlichen Verschleiß bis Ruin ihrer Mitglieder lebt.